Erstmals stellt eine Ausstellung in Mecklenburg-Vorpommern Leben und
Werk des in Pommern geborenen Fotografen Richard Fleischhut vor, der als
Bordfotograf von 1906 bis 1939 die Überseepassagen und Kreuzfahrten der
großen Passagierdampfer des Norddeutschen Lloyd begleitet hat..
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© Fotos und Texte: Kreidefelsen GbR, Redaktion: Wolfgang Urban (ur)
4. November 2007 Fotoausstellung mit Arbeiten des Bordfotografen Richard Fleischhut noch bis zum 28. Januar im Jagdschloss Granitz
Jagdschloss Granitz (ur). Noch bis zum 28. Januar 2008 ist im Jagdschloss in der Granitz eine Sonderausstellung mit Fotos von Richard Fleischut zu sehen. Das Jagdschloss hat von Dienstag bis Sonntag von 10-16 Uhr geöffnet. Zur Foto-Ausstellung teilten die Veranstalter mit:
Erstmals stellt eine Ausstellung in Mecklenburg-Vorpommern Leben und
Werk des in Pommern geborenen Fotografen Richard Fleischhut vor, der als
Bordfotograf von 1906 bis 1939 die Überseepassagen und Kreuzfahrten der
großen Passagierdampfer des Norddeutschen Lloyd begleitet hat.
Auf der luxuriösen »Bremen« hatte Fleischhut ein eigenes Atelier und
machte allein mit diesem Dampfer 154 Überseefahrten. Mit dem Schiff fand
er ein Motiv, das er immer neu ins Bild gesetzt hat. Er hat die
legendäre Jungfernfahrt von Bremerhaven nach New York im Juli 1929
dokumentiert, für die der Dampfer mit dem »Blauen Band« für die
schnellste Atlantiküberquerung ausgezeichnet wurde. Die Fotografien
zeigen die Monumentalität der »Bremen« in dramatischen Perspektiven,
heben die eleganten Formen des Rumpfes, die klaren Konturen der
Decksaufbauten oder die Modernität der Ausstattung hervor.
Seine Aufnahmen gelingen Fleischhut mit den modernsten Fotokameras, die
ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind. War er nicht auf See,
arbeitete er in seinem »Atelier für moderne Fotografie« in Bremerhaven,
ehemals Wesermünde-Lehe, wo er mit seiner Frau Florentine und den
Kindern lebte. Hier fertigte er vor allem Porträtaufnahmen.
Für seine Porträts war er bei den Passagieren auf den Dampfern als »der
Allgegenwärtige« und »Mr. Wonderful« bekannt. Der Bordfotograf hat die
internationale Prominenz ins rechte Licht gesetzt, die in der ersten
Hälfte des 20. Jahrhunderts mit dem Schiff reiste: Prinzen und hohe
Politiker, Schriftsteller, Kinostars und Komponisten, Wirtschaftsmagnaten und Abenteurer. Fleischhut selbst führte eine Liste seiner Porträts bekannter Persönlichkeiten: vor seiner Kamera standen Marlene Dietrich, Buster Keaton, Sergej Rachmaninoff, Fred Astaire, Max Schmeling oder Franklin D. Roosevelt. An die Reisenden verkaufte der Bordfotograf auch Motive aus den
bereisten Ländern als Souvenirs. Die kontrastreichen Landschaftsfotografien machen auf eine weniger bekannte Seite des Fotokünstlers aufmerksam. Einige der wohl eindrucksvollsten Schwarzweißbilder von Felsformationen, Gletschern und verschneiten Gebirgszügen entstanden auf der Polarreise mit dem Dampfer »München« im Sommer 1925. Sie lassen Fleischhuts Gespür für die Dramatik der Natur erkennen. So gehörten Felsformationen und die stürmische See zu seinen bevorzugten Bildthemen. In Fachkreisen galt der Fotograf deshalb auch als »Spezialist für Sturmaufnahmen«. Die Höhe der Bugwellen hat er in Bildern von unüberbietbarer Dynamik eingefangen, indem er auch bei Windstärke 12 in die Takelage kletterte.
International bekannt sind seine Bilder von der tragischen Explosion des
Luftschiffs »Hindenburg« 1937 und von der Selbstversenkung des Dampfers
»Columbus« auf Befehl der deutschen Marineleitung 1939, die als
Pressefotos um die Welt gegangen sind. Fleischhuts Aufnahmen der
brennenden »Columbus« bezeugen zugleich einen persönlichen
Schicksalsschlag für den Fotografen, denn an Bord befand sich sein
Bildarchiv mit 32.000 Negativen.
Doch Fleischhut gab die Fotografie nicht auf und wagte einen Neuanfang
mit einem Atelier in Bremen, was jedoch bei einem Bombenangriff zerstört
wurde. Mit seiner Familie zog er darauf nach Hessen und begründete in
Neukirchen sein drittes Atelier. Dort ist Fleischhut 1951 verstorben und
hat einen Nachlass mit mehr 6.000 Bildmotiven hinterlassen. Seiner
Enkelin Ingrid Peckskamp-Lürßen, ist die Aufarbeitung seines Werkes und
die Anregung zu dieser Ausstellung zu verdanken.In den Kabinetten des Jagdschlosses Granitz sind Diavografien von Fleischhuts Bildern des legendären Luxusliners »Bremen«, der Prominentenporträts, Nordlandmotive, Sturmaufnahmen und die bekanntesten Pressefotos zu sehen. Eigens für die Ausstellung wurden Abzüge der Originalglasplatten angefertigt, die auf der Nordlandreise des Dampfers »München« 1925 entstanden sind. Auch Fleischhuts Kameras und persönliche Dokumente werden gezeigt. Die Kabinettausstellung lädt dazu ein, den Zeitzeugen und Fotokünstler Richard Fleischhut zu entdecken. Vom 28. Oktober 2007 bis 28. Januar 2008 wird sie vom Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern in Kooperation mit dem Pommerschen Landesmuseum
Greifswald im Jagdschlosses Granitz präsentiert. Die Ausstellung konnte
Dank der Unterstützung des Kieler Stadt- und Schiffahrtsmuseums, des
Ostfriesischen Landesmuseums Emden, des Technischen Museums Berlin und insbesondere der Nachlassverwalterin Ingrid Peckskamp-Lürßen realisiert werden. Zur Ausstellung kann der umfangreiche Katalog erworben werden: Mit der Kamera in die Welt. Richard Fleischhut (1881-1951) Photograph. Hgg. von Hermann Haarmann und Ingrid Peckskamp-Lürßen, DruckVerlag Kettler Böhnen 2005, Buchhandelsausgabe 36,00 Euro..
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