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Braucht Rügen ein Delfinarium? Veranstaltung mit emotionsgeladener Atmosphäre und kontroversen Sichtweisen auf Delfinarium-Vorhaben.

Undine Kurth, Mitglied des Deutschen Bundestages Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNE und Sprecherin für Natur- und Tierschutz, hatte für gestern Abend zu einem Podiumsgespräch ins Parkhotel nach Bergen auf Rügen zum Thema "Braucht Rügen ein Delfinarium?" eingeladen. Das von ihr formulierte Ziel, vor einer Entscheidung noch einmal die Diskussion anzuregen, wurde ganz offensichtlich erreicht. Am Ende der Veranstaltung blieben zwar kontroverse Standpunkte zum auf Rügen geplanten Delfinarium bestehen, aber die rund 70 Teilnehmer hatten nach zahlreichen Infos und dem Erlebnis einer zweitweise emotionsgeladenen Debatte reichlich Anregungen für die weitere Delfinarium-Debatte erhalten.

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© Fotos und Texte: Kreidefelsen GbR, Redaktion: Wolfgang Urban (ur)

1. November 2007 Braucht Rügen ein Delfinarium? Veranstaltung mit emotionsgeladener Atmosphäre und kontroversen Sichtweisen.

Bergen auf der Insel Rügen (ur). Gestern Abend fand im Parkhotel in Bergen auf Rügen ein Podiumsgespräch zum Thema "Braucht Rügen ein Delfinarium?" statt. Während die Podiumsteilnehmer ihre Emotionen ausgebremst bekamen, fiel dies einigen der rund 70 Veranstaltungsteilnehmer offensichtlich schwer. So machte sich Berthold Blatecki, Geschäftsführer der Delphimar GmbH ungeduldig im Publikum bemerkbar und wanderte dann mit erhaltenem Mikrofon zum Podium, um sein Unverständnis über die Präsens von Dr.Daria Scheyka, Projektmanagerin Deutsche Kinderhilfe Direkt e.V. zum Ausdruck zu bringen:

Berthold Blatecki und Dr. Daria Scheyka

Kontroverse zwischen Berthold Blatecki (links), Geschäftsführer der Delphimar GmbH, und Dr. Daria Scheyka, Projektmanagerin Deutsche Kinderhilfe Direkt e.V.. Neben ihr rechts Uwe Driest, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Kreisverband Insel Rügen, der die Veranstaltung moderierte. Die Delphimar GmbH will das Delfinarium-Projekt, zu dem auch ein Hotel und weitere Urlaubs- sowie Freizeiteinrichtungen gehören, zusammen mit folgenden Firmen errichten: Nature Project GmbH-Westerland (Geschäftsführer Jürgen Cleve), Meerespark Rügen GmbH (Geschäftsführerin Edeltraud Cleve) und CLügen Hotel GmbH (Geschäftsfüher Jürgen Cleve).

Die Kinder im geplanten Glower Delfinarium würden das Geld der Deutsche Kinderhilfe Direkt e.V. nicht benötigen, erklärte Blatecki. Außerdem werde die Delfintherapie in Glowe billiger als in den USA sein.

Dr. Daria Scheyka hatte zuvor verdeutlicht, dass sie "unfreiwillig" mit dem Thema "Delfintherapie" konfrontiert sei, da Eltern ihre Organisation angesichts der hohen Kosten um finanzielle Hilfe bitten. Es falle ihr jedoch schwer, im Zusammenhang mit Delfinarien das Wort Therapie in den Mund zu nehmen. Keine wissenschaftliche Studie habe bisher den therapeutischen Erfolg von "Delfintherapien" nachgewiesen. Dass sich Mütter mit ihren betroffenen Kindern nach 14 Tagen in einem Delfinarium besser fühlen, liege nicht an einer "Therapie" mit Hilfe von Delfinen, sondern an der im Delfinarium vorhandenen "Urlaubsatmosphäre". Fern vom anstrengenen Alltag habe man in der entsprechenden Urlaubsanlage die Möglichkeit zur Entspannung. Mit dem was eine 14tägige "Delfintherapie" in den USA für ein Kind koste, könne man für acht Kinder ein ganzes Jahr lang einmal in der Woche therapeutisches Reiten finanzieren.

Auf den Inhalt der geplanten Delfintherapie in Glowe und deren therapeutische Wirkung ging Berthold Blatecki nicht ein.Der Frage nach der Wirksamkeit tiergestützter Therapien wandte sich jedoch Undine Kurth, Mitglied des Bundestages BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu. Sie ist auf dem folgenden Foto als 2. von rechts zu sehen:

Präsentation der Dog-Water-Therapie

Frau Otto (links) präsentierte während der Veranstaltung in Kurzform die DWT (Dog-Water-Therapie) als "Alternativangebot" für autistische und andere Kinder.

Undine Kurth kündigte an, dass ihre Fraktion im Bundestag den Antrag stellen werde, Gelder für Forschungen über die Wirksamkeit tiergestützter Therapien bereitzustellen. Für sie steht fest, dass zum Beispiel jene, die Delfintherapien durchführen bzw. dies tun wollen, finanziell an den Kosten der Forschung beteiligt werden müssen.

Zur Sprache kamen auf der Veranstaltung in Bergen auf Rügen u.a. auch das Leiden von Delfinen in Gefangenschaft, die Schließung von Delfinarien sowie das bestehende Einfuhrverbot für wildlebende Delfine und dessen Ausnahmeregelungen. Dr. Karsten Brensing, Conservation Manager Germany des WDCS (Whale and Dolphin Conservation Society) warnte zudem vor den Risiken, die mit einem Delfinarium verbunden sind: "Die Interaktion mit Wildtieren ist immer mit größeren Risiken verbunden als die Interaktion mit domestizierten Tieren. Wir kennen verschiedene Unfälle, die in Schwimmprogrammen stattgefunden haben und die Delfintherapie ist auch nur eine Form von Schwimmprogramm."

"Bekannt gewordene Vorfälle von Verletzungen von Menschen durch Delfine in Gefangenschaft" ist übrigens der Titel einer Anlage, die zur "Stellungnahme des Beirates des Deutschen Meeresmuseums, Stralsund (DMM) zu biologisch wissenschaftlichen Gegebenheiten in Bezug auf die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft und zum geplanten Delfinarium auf Rügen" gehört. 15 Fälle sind hier aufgelistet. Dr. Brensing warf die Frage auf, was passiert, wenn ein Kind während einer Therapie verletzt wird. "Wer kommt dann noch hierher?"

Brensing und weitere Veranstaltungsteilnehmer machten zudem darauf aufmerksam, dass es nicht möglich sei, Delfine in Delfinarien artgerecht zu halten und dort für eine erfolgreiche Nachzucht zu sorgen. Auf solche Probleme ging Geschäftsführer Blatecki nicht ein. Er zeigte sich überzeugt von der Notwendigkeit des Delfinarium-Projektes und erhielt dabei u.a. Unterstützung vom Tourismusverein Gemeinde Glowe e.V.. Dessen Vorsitzender Uwe Lange sprach sich für ein "Delfinarium-Angebot mit Hotel" aus. Schließlich wolle der Investor "260 Arbeitsplätze" schaffen. Man möge bedenken, dass "im Mittelpunkt der Mensch steht und nicht das Tier".

Bürgermeister Radeisen Dr. Karsten Brensing
Glowes Bürgermeister Uwe Radeisen Undine Kurth und Dr. Karsten Brensing

Glowes Bürgermeister Uwe Radeisen betonte, dass die Gemeindevertretung Glowe nach wie vor für das Delfinarium in Glowe ist. Ihm sei kein Gemeindevertreter bekannt, der dagegen sei. Seine Kritik galt dem langen Entscheidungsprozess auf Landesebene. Am Tag vor der Veranstaltung habe er erfahren, dass sich das Land die Entscheidungsfrist bis 31. Januar 2008 verlängert habe. Auf Nachfrage sagte er, dass es sich um die 2. Änderung des F-Planes der Gemeinde Glowe handele, "die sich auf das Delfinarium bezieht und beim Ministerium für Verkehr, Bau und Landesentwicklung zur Entscheidung vorliegt". Seine Gemeinde brauche endlich ein klares JA oder NEIN, damit man dann den nächsten Schritt gehen kann, um eine Entwicklung des ehemaligen "Rügen Radio"-Geländes zu erreichen.

Abschließend stellt MdB Undine Kurth die Frage nach dem touristischen Leitbild für Rügen und verdeutlichte ihre Zweifel daran, dass es sich mit einem Delfinarium vereinbaren lässt. Sie mahnte einen gründlichen Entscheidungsprozess an und verwies mahnend auf "Investruinen".

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