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Öltransporte in der Ostsee: Zunahme auch 2008 wahrscheinlich.
Öltanker-Katastrophe in der Ostsee nur eine Frage der Zeit?

Ostsee-News 22. Januar 2008: Demonstrative Gelassenheit präsentierten heute die Bundeskanzlerin und andere Politgrößen angesichts der dramatischen Börsenentwicklung. Frei nach dem Motto: Rezession nicht bei uns, in Europa ist die wirtschaftliche Lage stabil. Schauen wir auf die Ostseeregion, und dabei auch über Deutschland hinaus, dann entdecken wir tatsächlich keine Rezession, sondern einen wirtschaftlichen Wachstumsraum. Das ist allerdings für den Tourismus durchaus auch mit Problemen verbunden. Symptome dieser Entwicklung sind das geplante Steinkohlekraftwerk in Lubmin und auch das Thema, über das wir vor genau einem Jahr informierten. Damals ging es um die Ausdehnung der russischen Öltransporte in der Ostsee mit all den Konsequenzen, die eine Öltanker-Katastrophe in der Ostsee nicht nur für die Umwelt, sondern auch für den Tourismus hätte. Mehr Infos dazu weiter unten auf dieser Seite.

 

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© Fotos und Texte: Kreidefelsen GbR, Redaktion: Wolfgang Urban (ur)

22. Januar 2008 Zunahme der Öltransporte in der Ostsee auch 2008 wahrscheinlich. Öltanker-Katastrophe nur eine Frage der Zeit?

Ostsee (ur): Vor genau einem Jahr informierten wir bei www.kreidefelsen.de zum Thema "Debatte über noch mehr Öltransporte in der Ostsee". Damals kündigten die Russen vermehrte Öltransporte über die Ostsee an. Die Aufregung war eine zeitlang groß und dann vermehrte sich die Anzahl der Transporte ohne weiter für Aufregung zu sorgen, denn der aktuelle Anlass der Erregung verschwand und wer interessiert sich schon für rein ökonomische Entwicklungstendenzen. Hier sei indes die für den Urlaub an der Ostsee bedeutsame Tendenz genannt: Seit 2001 der russische Ölhafen Primorsk in nicht gar zu großer Entfernung von St. Petersburg eingeweiht wurde, hat Russland die Ölexporte über diesen Hafen und damit auf der Ostsee immer weiter gesteigert. Während es 2001nur rund zwölf Millionen Tonnen Rohöl waren, könnte das Jahr 2008 mit 120 Millionen Tonnen Rohöl zum neuen Rekordjahr werden. Das ist sicher keine Verzehnfachung des Risikos eines Öltanker-Unglücks in der Ostsee, denn auch die russische Tankerflotte hat eine Modernisierung erfahren, aber das Risiko, dass es einmal zu einem Tankerunglück in der Ostsee kommt, ist größer geworden.

Was damit verbunden ist, finden Sie bereits in unseren News vom 22. Januar des vergangenen Jahres. Besonders relevant sind die darin vorhandenen Ausführungen zur Gefahr der Ölverschmutzung der Ostsee, das Thema "Lotsenannahmeempfehlung für die Kadetrinne" und die Auffassungen zu "Doppelhüllentankers als Übergangslösung auf dem Weg zu in sich sicheren Tankschiffen in der Nordsee und Ostsee". Hinzu kommen die Meinungen zum automatischen Identifizierungssystem (AIS), der Ölschadensbekämpfung, der Prävention von Schiffshavarien, der Ölwehrtechnik sowohl im Lande Mecklenburg-Vorpommern als auch in den dem Havariekommando in Cuxhaven unterstehenden Hochseebekämpfungsschiffe. Sie möchten mehr dazu wissen? Dann lesen Sie weiter unten auf dieser Seite noch einmal unsere News vom vergangenen Jahr zu den Öltransporten über die Ostsee.

 

Nachfolgend der Rückblick auf die in vielerlei Hinsicht auch ein Jahr danach noch aktuelle

Ostsee-News vom 22. Januar 2007
Debatte über noch mehr Öltransporte auf der Ostsee

Ostsee (ur). Angesichts der großen Aufmerksamkeit für den Orkan "Kyrill" und unmittelbar brisanter politischer Themen wurden die besorgten Stimmen zur Ankündigung von noch mehr Öltransporten in der Ostsee in der vergangenen Woche kaum öffentlich wahr genommen. Dabei machte das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommerns ausdrücklich darauf aufmerksam, dass die Russen "auf Grund der Probleme um die Erdölpipeline Drushba ... vermehrt Öltransporte über die Ostsee nach Rostock angekündigt" haben. Auf dem Foto sehen Sie einen Öltanker, wie er am 19. Januar diesen Jahres von Rostock hinaus auf die Ostsee fuhr.

oeltanker

Anhand der Uhrzeit ließe sich sicher feststellen wohin dieser Tanker fuhr. Doch im Zusammenhang mit dem Problem der angekündigten vermehrten Öltransporte auf der Ostsee, ist dies gleichgültig. Es geht daraum, dass jede weitere Steigerung von Öltransporten auf der Ostsee, egal woher und wohin, äußerst problematisch ist. Für die Menschen entlang der Ostseeküste, die vom Urlaub an der Ostsee, von sauberen Stränden und einem guten Ruf der Badewasserqualität leben, wäre es ein Tankerungkück mit großen Mengen auslaufendem Öl eine ökonomische Katastrophe. Besorgt zeigte sich angesichts dessen auch der Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Dr. Till Backhaus (SPD). Er äußerte sich in der vergangenen Woche sehr kritisch zu den angekündigten vermehrten Schiffsbewegungen über die Ostsee: "Die derzeitigen Öltransporte der Russen in Höhe von 80 Mio Tonnen über die Ostsee sind schon Risiko genug für das hoch sensible Binnenmeer. Jede weitere Steigerung des Schiffsverkehrs und dann noch möglicherweise mit alten Einhüllentankern ist ein nicht hinnehmbares Risiko." Wenn man bedenkt in welcher Größenordnung bereits jetzt Öltransporte Realität sind, müsse man vor dem Hintergrund der nicht gestiegenen Unfallzahlen das Risiko denkbarer Ölverschmutzungen in der Ostsee allerdings relativieren. Minister Backhaus unterstreicht in diesem Zusammenhang, dass die Schiffssicherheit in der Ostsee, insbesondere in der Kadetrinne in den vergangenen Jahren, auch durch Intervention der Landesregierung, deutlich zugenommen hat. Der letzte größere Unfall ereignete sich im Jahr 2001 durch die Kollision des Massengutfrachters Tern und dem hochmodernen russischen Doppelhüllentanker Baltic Carrier. Auf die erhöhte Zahl an Schiffsbewegungen wurde wie folgt reagiert: Verbesserung der Betonnung und Verkehrswegetrennung in der Kadetrinne, das heißt hier wurde eine Einbahnstrassenregelung vorgeschrieben und seitens der IMO wurde eine Lotsenannahmeempfehlung für die Kadetrinne ausgesprochen, die von einem Großteil der Schiffe mit großem Tiefgang auch angenommen wird.
Dies hält Minister Backhaus angesichts der von Russland angekündigten sprunghaften Zunahme von Öltransporten für nicht ausreichend: "Ich halte eine Lotsenannahmepflicht für unerlässlich. Außerdem muss der Bau und die Entwicklung von in sich sicheren Tankern, die auch nach schwersten Kollisionen nur geringe Mengen an Öl freisetzen, vorangetrieben werden." Dies sei durch viel kleinere Einzeltanks in den Schiffen ohne großen Aufwand möglich. Die heutigen Einzeltankgrößen betragen auch bei den modernen Doppelhüllentankern bis zu 200000 Tonnen. Das heißt im Falle einer Kollision könnten auch 40000 Tonnen austreten. Dies sei durch eine Verkleinerung durch Einzeltanks möglich. Deshalb hält der Minister Doppelhüllentanker nur für eine Übergangslösung auf dem Weg zu in sich sicheren Tankschiffen. Darüber hinaus weist Minister Backhaus darauf hin, dass vor zwei Jahren das automatische Identifizierungssystem (AIS) eingeführt wurde, so dass alle Schiffsbewegungen zu jeder Zeit kontrollierbar sind und auf sich abzeichnende kritische Situationen frühzeitig reagiert werden kann. Außerdem sind rund um die Uhr zwei Überwachungs- und Ölbekämpfungsschiffe in der westlichen Ostsee im Einsatz und in Rostock ist ein Notfallschlepper ebenfalls rund um die Uhr stationiert. Ein Restrisiko bleibe, da die Kadetrinne mittlerweile zu den meist befahrenen Schifffahrtstrassen der Welt gehört und diese Schifffahrtstrasse durch zahlreiche Fährverbindungen, auch mit Schnellfähren, ständig gekreuzt wird. Für die Vorsorge der Ölschadensbekämpfung gibt das Land Mecklenburg-Vorpommern jährlich rund 4 Mio Euro aus. Diese werden dafür verwendet, dass die vorhandene Ölwehrtechnik sowohl im Lande als auch die dem Havariekommando in Cuxhaven unterstehenden Hochseebekämpfungsschiffe davon anteilig finanziert werden. Sowohl in Nord- und Ostsee, als auch in allen Küstenländern vorhandenen Ölwehrtechnik werden regelmäßig nationale, aber auch internationale Übungen durchgeführt, um jederzeit einsatzbereit zu sein. Minister Backhaus betont aber ausdrücklich, dass der Prävention von Schiffshavarien sehr viel größere Bedeutung beizumessen sei als der Bekämpfung eingetretener Unfallschäden. Diese Schwerpunktsetzung sei Ziel seiner künftigen Politik.

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