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Urlaub an der Ostsee
Kegelrobben und Seehunde an
der vorpommerschen Küste

Dieser Seehund hielt sich von September bis Dezember 1986 an der Fährinsel bei Hiddensee auf (Foto: R. Succow)
Dieser Seehund hielt sich von September bis Dezember 1986 an der F‘hrinsel bei Hiddensee auf (Foto: R. Succow)

Seehunde und Robbenbestände in der Ostsee

Zwei Robben am Prerowstrom als Touristenattraktion

Wiederbesiedlung am Bock und Darßer Ort!?

Kegelrobben-Projekt gescheitert auf der Insel Rügen

© Ein Beitrag von
Dipl.-Biologe Klaus Harder und
Herr Dr. Jochen Schwarz
Beide vom Meeresmuseum Stralsund

für Robben, Seehunde, Wale

Seehunde und Robbenbestände in der Ostsee

Es sind dies der Seehund (Phoca vitulina) und die Kegelrobbe (Halichoerus grypus), die beide zur Familie der Hundsrobben (Phocidae) gehðren.
Die Kegelrobbe ist mit ihrem langgestreckten, hundeartigen Gesichtsprofil deutlich vom Seehund zu unterscheiden, der zudem mit maximal 100 kg erheblich kleiner bleibt. Die m‘nnlichen Kegelrobben erreichen òber zwei Meter L‘nge und bis 300 kg Gewicht.
Die Weibchen werden nicht ganz so gro« und haben in der Regel eine hellere Fellf‘rbung.
Kegelrobbenwurfpl‘tze direkt an der Kòste sind die Ausnahme, normalerweise bringen die Weibchen ihre langhaarigen, wei«grauen Jungen im Februar/M‘rz auf driftenden Eisschollen zur Welt.

Seehund Kegelrobbe
 

Der Verbreitungsschwerpunkt der Ostsee-Kegelrobben liegt mehr in der mittleren und nördlichen Ostsee. Die dort lebende Unterart Halichoerus grypus balticus war im vergangenen Jahrhundert noch sehr zahlreich.
Um 1900 wird der Bestand auf etwa 100.000 Tiere gesch‘tzt. Die Verfolgung als Konkurrent der Fischerei, die Bejagung der Robben als Fell- und Fleischlieferanten, der Verlust der Liegepl‘tze durch die Industrialisierung und den sich intensivierenden Tourismus sowie sp‘ter zus‘tzlich durch die Verschmutzung des Lebensraumes, besonders mit chlorierten Kohlenwasserstoffen, fòhrten zu einem nahezu vollst‘ndigen Verschwinden der Art aus der Ostsee.
1930 z‘hlte der Bestand noch etwa 20.000 Tiere, bis 1985 war er jedoch auf nur noch etwa 1.500 Tiere zuròckgegangen.
Seitdem wird, insbesondere in der nðrdlichen Ostsee, eine leichte Zunahme registriert. Der derzeitige Bestand umfasst ca. 5.500 Tiere.
Davon lebt etwa die H‘lfte an der schwedischen Kòste. W‘hrend dort die Best‘nde gegenw‘rtig also wieder anwachsen, bleibt eine Ròckkehr der Kegelrobben an die deutsche und polnische Kòste, wo sie vollst‘ndig verdr‘ngt worden waren, bislang aus.

Kegelrobbe mit Säuglingsfell Diese junge
Kegelrobbe

mit noch vorhandenem S‘uglingsfell war
am 27.4.1987
im Grundschleppnetz
von SAS 18 der
Fischerei-genossenschaft
Sassnitz nordwestlich der Oderbank ertrunken
(Foto: H. Schröder)


Zwei Robben am Prerowstrom als Touristenattraktion

Der einzige Ort, an dem bei uns gelegentlich ein oder zwei Kegelrobben (s. Foto) beobachtet werden, ist der Prerowstrom im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.
Die Dar«-Zingster Boddenkette ist eigentlich kein typischer Lebensraum fòr die sonst in der offenen Ostsee jagenden Meeress‘uger. Offenbar finden die Tiere hier aber noch mehr Ruhe als im unmittelbaren Kòstenbereich.
Solche vor allem vom Menschen ungestðrten Liege- und Ruhepl‘tze sind eine wesentliche Voraussetzung fòr das Vorkommen der Art.
Die Bewohner und G‘ste haben daher die Verpflichtung sich besonders sensibel im Lebensraum der Robben zu verhalten. Probleme gibt es jedoch immer wieder mit ròcksichtslosen Mitbòrgern, die als Angler, Wanderer oder als Besitzer schnittiger und schneller Sportboote die Tiere beunruhigen und verjagen oder gar verletzen.

Besonders ärgerlich ist das fòr die Betreiber der Ausflugsdampfer im Prerowstrom.
Sie fahren langsam an den Robben vorbei und betreiben bei der ƒFòhrung wichtige Umweltbildungsarbeit. Deshalb fordern sie zu Recht die hier erlaubte Hðchstgeschwindigkeit fòr Motorboote auf 6 kn zu begrenzen und ?bertretungen strenger zu ahnden.
Aus dem Nordseebereich gibt es Untersuchungen, die zeigen, wie stðrend sich intensiver Schiffsverkehr mit hohen Geschwindigkeiten auswirkt. Die Studie òber Verletzungen und Tðtungen von Meeress‘ugern durch den Schiffsverkehr gibt Empfehlungen zur Befahrensregelung des Nationalparks.
Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft wird zur Zeit eine entsprechende Studie erarbeitet. Eine Wirksamkeit der Befahrensregelung in den Kòstennationalparken entscheidet wesentlich daròber mit, ob Robben an unserer Kòste wieder heimisch werden kðnnen oder nicht.

Wiederbesiedlung am Bock und Darßer Ort !?

Mit der "Wende" in der DDR und der Schaffung gro«fl‘chiger Schutzgebiete erhielten die natòrlichen Lebensr‘ume und damit viele Bewohner dieser †kosysteme die Mðglichkeit sich zu regenerieren, grð«ere Best‘nde auszubilden bzw. solche neu zu etablieren. Auch fòr die Kegelrobbe zeichnen sich gònstige Bedingungen fòr eine Wiederbesiedlung traditioneller Verbreitungsgebiete an der vorpommerschen Kòste ab.
Insbesondere gilt dies fòr die Flachwasserbereiche in den Kernzonen des Nationalparkes am Dar«er Ort, im Bereich Pramort sowie des Windwatts vor der Insel Bock und auf dem Bug, wo sich die Tiere weitgehend ungestðrt vom Menschen aufhalten kðnnten. Beobachtungen einer (Dar«er Ort) oder auch zweier Kegelrobben (Windwatt Bock) in den letzten Jahren belegen dies.
Alle Aktivit‘ten, die sich negativ auf die Tiere auswirken kðnnten und den Aufbau eines neuen, vitalen Robbenbestandes beeintr‘chtigen, sollten deshalb hier vermieden werden. Die Meeress‘uger sollen kònftig nicht mehr als Rarit‘t, sondern als gewðhnliche Vertreter unserer heimischen Fauna betrachtet werden.
Vielleicht sind die Tiere in der Dar«-Zingster-Boddenkette der Grundstock fòr eine sòdbaltische Teilpopulation.

© Ein Beitrag von Dipl.-Biologe Klaus Harder und Herr Dr. Jochen Schwarz
Beide vom Deutschen Meeresmuseum Stralsund


Siehe auch
Robben und Seehunde auf Rügen
Belohnung bei Fund von Robben und Walen
Meeresmuseum Stralsund
Walfund und Schwertfisch im Netz (1999 mit Fotos)

 

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